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Ohne eine Kriegserklärung hatte Preußen das Kurfürstentum Sachsen am 29. August 1756 überraschend angegriffen und bereits nach wenigen Wochen kapitulierte die viel kleinere sächsische Armee (sie war in den Jahren zuvor von Graf Brühl von 32000 Mann auf 17000 Mann reduziert worden) nach einem misslungenen Ausbruchsversuch aus dem so genannten "Pirnaer Lager" am 16. Oktober 1756 am Königstein vor der preußischen Umklammerung bei Pirna. Der Grund war die schlechte Versorgungslage und das Ausbleiben des österreichischen Entsatzheeres, das am 1. Oktober bei Lobositz geschlagen worden war.
Bereits am 9. September rückte die preußische Armee kampflos in Dresden ein und besetzte nachfolgend das ganze Land. Nahezu die gesamte sächsische Armee hatte sich in großer Eile südlich der Elbe auf das Hochplateau hinter Pirna in ein grosses Feldlager zurückgezogen. Leider hatte man es versäumt, ausreichende Versorgung für eine derartig große Truppenansammlung vorzubereiten.
Friedrich der II. hegte vermutlich auf Grund einer Geschlechtskrankheit, die er sich als junger 18 jähriger Kronprinz 1730 in Dresden zugezogen hatte und die ihn zeugungsunfähig gemacht hatte, einen tiefen Groll gegen das „sächsische Lotterleben“, dem er daran die Schuld gab. Dazu kam, dass er ebenfalls 1730 aus dem von August dem Starken veranstalteten „Lustlager in Zeithain“ flüchten wollte, aber vom sächsischen Minister Graf von Brühl verraten wurde, woraufhin er von seinem Vater vor dem gesamten Hofstaat gezüchtigt wurde.Seitdem hegte er einen abgrundtiefen Hass auf von Brühl und sann auf Rache gegen ihn und damit auch gegen Sachsen. Friedrich II. hatte bereits 2 große Kriege gegen Österreich um Schlesien geführt (1740-42 mit Unterstützung von Sachsen und 1744/45 gegen das nun auf Seiten Österreichs stehende Sachsen) und begann nun mit dem Angriff auf Sachsen seinen dritten und größten „völkerrechtswidrigen, brutalen Angriffskrieg“, um den heutigen gängigen Sprachgebrauch mal anzuwenden.
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Damit war Sachsen ausgeschaltet und dieser Überfall gilt allgemein als der Auslöser für den nun folgenden 7-jährigen globalen Krieg zwischen den verbliebenen verbündeten Großmächten Preußen und England, als die „Aggressoren“ die eigentlichen "Bösen" gegen die "Guten", eine „Allianz der Willigen“ aus Österreich, dem Heiligen Römischen Reich, Russland, Frankreich und Spanien.
Der Friede von Hubertusburg 1763 beendete erst einmal den Krieg zwischen Preußen und Sachsen und resultierte in einer Rückführung der in alle Winde zerstreuten sächsichen Armee.
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Dieser Krieg verschaffte Preußen durch die Ausplünderung des wohlhabenden und strategisch wichtigen Sachsens und die Integration der sächsischen Truppen in sein Heer überhaupt erst die nötigen Mittel, den anschließenden „Siebenjährigen Krieg“, häufig auch als ersten Weltkrieg bezeichnet, weil in diesem Krieg in Europa, Nordamerika, Karibik, Indien und den Philippinen gekämpft wurde und die Rohstoffwege und Seeverbindungen wesentliche Kampfziele waren, zu überstehen. Allerdings war die Stimmung zwischen den Preußen und Sachsen dauerhaft (eigentlich bis heute...) gestört, weil ein Großteil der in die preußische Armee gepressten Sachsen bald wieder desertierte.
Sachsen
war damals etwa drei mal so groß wie heute und sehr wohlhabend, es reichte im Norden fast bis Potsdam. Sachsen
hatte die letzten hundert Jahre eine wichtige Rolle im europäischen Kräftekontext gespielt und wähnte sich durch seine (geheimen)
Bündnisse und guten Beziehungen zu den anderen Großmächten wie Frankreich, Österreich und Russland in Sicherheit.
Preußen sah sich durch diese Allianz allerdings zunehmend bedroht und reagierte daher schnell und unverhofft mit dem Einmarsch in Sachsen
und bereits ca. 7 Wochen später kapitulierte die sächsische Armee.
Damit war dieser unerwartete Überfall ein tiefer Einschnitt in der europäischen und deutschen Geschichte, da er am Ende den
etwas glücklichen Aufstieg Preußens zur 5. europäischen Großmacht einleitete und damit das Zeitalter des preußischen
Militarismus und des Rechts des Stärkeren in Deutschland begann, dass das bisherige Zeitalter von Pracht, Prunk und Freude
(zumidest für den adeligen Stand) ablöste.
Da bekanntlich schon immer die Sieger die Geschichte schreiben, begann nun natürlich auch die eigentlich völlig ungerechtfertigte
Glorifizierung Friedrichs II. und Preußens und demgegenüber stand die Demütigung und Verunglimpfung Sachsens als die Deppen
von Deutschland, was von Friedrich II. auch bereits meisterlich mit den Mitteln der damaligen Propaganda (umfangreiche
Briefwechsel, streuen von Gerüchten, gezielte Exekutionen und die Bestrafungen von Widerspenstigen und Gegnern wie von Brühl) in
die Wege geleitet wurde. Das nach damaligen Maßstäben ungeheuerliche Vorgehen Friedrichs des II. machte ihm nahezu alle anderen
europäischen Monarchen auf einen Schlag zum Feind, man kann ihn eigentlich ohne Bedenken als den Putin des 18. Jahrhunderts bezeichnen.
Damit zeigt sich mal wieder deutlich, dass es schon immer wichtig war, auf welcher Seite man in der Geschichte stand...
Im Modell ist die eher fiktive letzte Visite des Kurfürsten bei seinen kommandierenden Generalen vor der Festung Pirna zu sehen. Von der Höhe werfen der Kurfürst und seine Generale einen Blick in das Elbtal auf die anrückenden Preußen, ehe sich der Kurfürst dann an den polnischen Hof nach Warschau absetzte. Ob es das in dieser Form tatsächlich so gegeben hat, weiß ich nicht, aber dass August der II. sich bereits relativ frühzeitig aus dem Staub gemacht hatte, ist überliefert.
Die dargestellten Persönlichkeiten sind zwar real, aber natürlich zu einem gewissen Grad hypothetisch in der Darstellung. Die Generalität und somit der sächsische Generalstab trugen zum damaligen Zeitpunkt nach verschiedenen Quellen weiße Röcke, die überbordend mit gold betreßt waren. Deshalb habe ich drei der Generäle mit weißen Röcken dargestellt. Der Kurfürst von Sachsen und König von Polen als der Oberbefehlshaber trug natürlich nicht die Uniform seiner Untergebenen, sondern über seinem Küraß einen blauen Mantel.
Die berittenen Figuren selbst kommen aus der War-Gaming Ecke und sind 3D-Drucke, die ich mir aus den 32 mm Figuren auf 1/72 skaliert habe.
Die Farbgebung der sächsischen Uniformen jener Epoche sind in dem hervorragenden Büchlein "Die Uniformen der kurfürstlich sächsischen Armee 1683-1763 in farbigen Tafel ausführlich beschrieben. Der Verfasser Wolfgang Friedrich hat hervorragende Arbeit heleistet. Leider gab es das Buch nur noch antiquarisch für einen völlig überzogenen Preis, aber ohne es hätte ich nicht gewusst, wie die Angehörigen der Generalität und des Generalstabs in Sachsen im Jahre 1756 ausgesehen haben könnten.
Wolfgang Friedrich hat in derselben Art noch weitere, sehr empfehlenswerte Bücher zur Uniformierung der sächsischen Armee verfasst, die ich alle wärmstens empfehlen kann.
Die zwei Soldaten der Wachmannschaft auf der Festung sind aus dem Italeri Set mt französischer Infanterie aus dem 7-jährigen Krieg. Die grüne Uniform zeigt die Zugehörigkeit zur Artillerie, wie sie auf den sächsischen Festungen stationiert war.
Auch der General der Kavallerie Benkendorf trägt noch die alte rote Rockfarbe, die auch der Chevalier de Sax bevorzugte. Außerdem kommt damit etwas mehr Farbe in die Szene.
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1 – Friedrich August II, Kurfürst und Herzog von Sachsen und als August der III. König von Polen, einziges legitimes Kind von August dem Starken
2 - Graf Rutowski, Oberbefehlshaber im Rang eines Generalfeldmarschalls, illegitimer Sohn August des Starken, 1756 54 Jahre alt
3 – Franz Xaver Albert August Ludwig Benno von Sachsen, Graf von der Lausitz, war der jüngere Bruder des sächsischen Thronfolgers, des Kurprinzen Friedrich Christian von Sachsen und Prinz von Polen. Prinz Xaver, Sohn von Friedrich August II., regierte dann für Friedrich August den III. bis zu desssen 18. Geburtstag, da dieser beim plötzlichen Tod seines Vaters noch nicht Volljährig war..
4 – Johann Georg Chevalier de Saxe, Generalfeldmarschall, illegitimer Sohn von Friedrich August dem Starken.
5 - Generalmajor Graf Nostitz General der Kavallerie.
6 – Benkendorf, General der Kavallerie (1756 45 Jahre alt).
Hier noch ein paar Detailbilder zur Bauphase:
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Wiederum aus Resten Hartschaum wurde die Grundform der geplanten Festunsecke modelliert. Das Material ließ sich mit Messer und anderen Klingen gut bearbeiten, nachdem es mit einem Wärmeschneider in die Grundform gebracht war.
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Geschichte ist die Lüge, auf die sich die Beteiligten geeinigt haben.
Napoleon Bonaparte